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Nikolaus‑Traditionen

Ein altüberliefertes Fest

In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember findet man in allen Lothringer Häusern kleine Geschenke neben dem Kamin, die den heiligen Nikolaus auf seiner Reise von Haus zu Haus stärken sollen. Für den Heiligen gibt es ein Gläschen Mirabellenschnaps, für seinen Esel Zucker oder Möhren. Wenn am nächsten Morgen das Glas leer ist und der Esel alles aufgegessen hat, weiß man, dass der Nikolaus da war. Kinder, die artig waren, finden Süßigkeiten, Früchte und kleine Geschenke in ihren Hausschuhen.

 

Vom heiligen Nikolaus zum Weihnachtsmann

Man sagt, dass Knecht Ruprecht Rutenhiebe an die ganz bösen Kinder verteilt, aber das ist so selten, dass niemand zugeben will, die Erfahrung gemacht zu haben! Die Kinder in Lothringen haben wirklich viel Glück, denn natürlich kommt auch hier der Weihnachtsmann. So erhalten sie zweimal Geschenke, am 6. und 25. Dezember!

Die englische Übersetzung des heiligen Nikolaus ist Santa Claus. Sie haben vielleicht schon von ihm gehört?

In den Niederlanden heißt er Sinterklaas. Als die Holländer Anfang des 20. Jh. in die USA auswanderten, wurde Sinterklaas zu Santa Claus, einer moralisierenden Person, die brave Kinder belohnt und unartige bestraft.

Der heilige Nikolaus wird ebenfalls in Belgien, in den Niederlanden, in einigen Regionen Deutschlands sowie in Russland gefeiert, dessen heiliger Schutzpatron er auch ist.

Die jahrhundertealte Prozession in Saint-Nicolas-de-Port

Anfang des 11. Jh. verbreitete sich der Nikolaus-Kult in ganz Westeuropa. Die inbrünstige Verehrung verstärkte sich besonders ab 1087, als Seeleute von Bari, einer Stadt in Süditalien, nach Myra reisten, das zu jener Zeit unter moslemischer Besetzung stand, seine Überreste stahlen und sie mit zurück in ihre Stadt nahmen.

Kurz danach brachte der Graf Albert von Varangéville, der in Bari auf der Durchreise war, ein Fingerglied des Heiligen mit in die an den Ufern der Meurthe liegende Kirche von Port, einige Kilometer südlich von Nancy, und machte sie damit zu einem wichtigen Pilgerort.

So findet in der Basilika von Saint-Nicolas-de-Port – im Mittelalter ein bedeutendes religiöses und Handelszentrum – seit fast 800 Jahren an dem Samstag, der dem 6. Dezember am nächsten liegt eine Prozession statt. Über 3 000 Personen aus Lothringen und von außerhalb versammeln sich im Licht von Tausenden von Kerzen, um gemeinsam ein spirituelles Ereignis zu erleben, das seit dem 12. Jh. unverändert geblieben ist.